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So werden Werkstatt-Medien smart

Navigation Feb. 11, 2022
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Die Erstellung von Anleitungen für Werkstatt-Techniker war bislang teuer und aufwändig. Wie es besser geht, zeigt ein Use Case, den wir gemeinsam mit Porsche im Rahmen der Startup Autobahn entwickelt haben.

Wer sein Auto in einer Werkstatt zur Reparatur abgibt, hat als Kunde in der Regel drei Erwartungen. Die Reparatur soll erstens fachmännisch und zweitens zu einem fairen Preis ausgeführt werden. Und drittens soll das Fahrzeug so schnell wie möglich wieder zur Verfügung stehen. Damit all diese Erwartungen erfüllt werden, müssen in der Werkstatt Mensch und Maschine perfekt zusammenwirken. Ein Auto besteht aus etwa 30.000 Teilen. Sie stellen ein Gesamtsystem dar, in dem vieles miteinander verbunden ist. Hier den Überblick zu behalten, ist für Werkstatt-Techniker eine zunehmende Herausforderung. Die Elektrifizierung etwa sorgt für einen grundlegenden Wandel der Fahrzeugarchitektur. Die Vernetzung hält Einzug ins Auto – etwa in Form von Systemen, die assistierte und in Zukunft auch automatisierte Fahraufgaben übernehmen können.

Experten für Produktdaten

Reparaturen werden dadurch komplexer. Werkstatt-Techniker nutzen dafür bislang oft Handbücher mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Ausbau von Teilen. Diese wiederum werden von technischen Redakteuren erstellt. „Die Erstellung von Werkstattmedien ist sehr aufwändig“, sagt Daniel Halbig, Mitgründer und CEO SPREAD. „Die Redakteure müssen verstehen, wie und wo Teile miteinander verbunden sind. Und sie müssen besondere technische Details wie sicherheitskritische Teile, Drehmoment und Zeitwert berücksichtigen.“ Das erfordert intensive und zeitaufwändige Recherchen, die nur erfahrene Redakteure leisten können, die gleichzeitig Experten für Produktdaten sind.

„Neulinge tun sich da schwer“, sagt Halbig.

Zunehmend Outsourcing

Das Werkstatt-Medium muss eine Vielzahl von Fragen beantworten: Wo sind Reparaturwege? Was muss ich vorher austauschen? Wie komme ich an ein bestimmtes Teil ran? Hier hängt viel vom Expertenwissen ab. Um dies auf möglichst breiter Basis abbilden zu können, greifen viele Hersteller bei der Produktion von Werkstatt-Medien auf ein breites Netzwerk an Fachleuten zurück. Das ist aber kompliziert und teuer.

Auf dem Weg zum digitalen Zwilling

In Zukunft soll es einfacher und preisgünstiger werden. Um Produktwissen in den Werkstätten möglichst einfach und intuitiv zu vermitteln, hat die Aftersales-Abteilung von Porsche im Rahmen von Startup Autobahn zusammen mit SPREAD eine „Intelligente Analyse benachbarter Teile“ entwickelt. „Das gemeinsam mit SPREAD entwickelte Modell ist ein erster, wichtiger Schritt in Richtung unserer Strategie 2030“, sagt Joachim Kaiser, der den Use Case bei Porsche begleitet hat. Noch befinde sich das Modell mit SPREAD in einer Vorstudie.

Reparatur-Sequenzen sind schwer nachvollziehbar

Die Suche im CAD-System oder in den Stücklisten könne für die technischen Autoren bei Porsche durch das Modell aber weniger zeitaufwendig werden. „Wir erhoffen uns aufgrund der Nachbarschaftsanalyse und Bauteilklassifizierung eine Reduzierung der manuellen Suche um bis zu 50 Prozent“, sagt Kaiser. Weil Reparatur-Sequenzen schwer nachvollziehbar sind, versprechen bereits die beiden ersten Level des Modells einen hohen Nutzen. „In Level 1 ist es bereits möglich, benachbarte Teil zu filtern“, sagt Halbig. Werkstatt-Techniker können sich in dem Modell etwa alle Schnappmutterschrauben in einem Fahrzeug oder die Abhängigkeit von Verbindungsteilen bis ins dritte Grad auf einem Tablet-Rechner anzeigen lassen. Die Informationen werden als Video oder AR ausgespielt.

Die Zukunft ist vollautomatisch

Level 2 erweitert die Möglichkeiten. Hier kann der Werkstatt-Techniker unter anderem komplette Reparatursequenzen und Arbeitszeitwerke kalkulieren. Ziel ist die Entwicklung eines digitalen Werkstatt-Zwillings, der quasi das virtuelle Echtzeit-Gegenstück eines physischen Objekts oder Prozesses darstellt. Im letzten Schritt ist es sogar denkbar, dass der Zwilling ein Porsche-Fahrzeug eins-zu-eins digital nachbilden könnte – inklusive einer Verknüpfung von CAD-Daten, Meta-Daten und Werkstattmedien. „Die Vision ist ein hundertprozentig identisches Modell des realen Fahrzeugs, wie es in der Werkstatt steht“, sagt Kaiser.

Roboter und AR-Brillen im Einsatz

Damit ist es in Zukunft möglich, Reparaturen inklusive der Zeit- und Ressourcenplanung und Teilebeschaffung noch besser vorzubereiten. Auch Wearables wie AR-Brillen sollen dann eine große Rolle spielen. Einfache Tätigkeiten können sogar von Robotern eigenständig durchgeführt werden, wenn die Tätigkeiten digital definiert sind. Dabei spielt laut Kaiser aber auch immer die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. „Unsere Kunden sollen die schnellste, beste und günstigste Reparatur erhalten, wenn sie ein Porsche-Zentrum besuchen.“

© SPREAD GmbH
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